23.02.2025
Worte aus der Kirche zum 23.02.2025

Durst nach Gutem

  Endlich Sonne. Ich genieße den späten Winter. Die klirrende Kälte erfrischt. Die goldene Sonne tut gut. Ich habe regelrecht auf das Sonnenlicht gelauert. Endlich ist es soweit. Ein Satz, der wohl keine Deutschklausur bestehen würde, geht mir durch den Kopf: Ich bin durstig nach Sonne.

Während ich in diesen Tagen durch die erhellte Feldmark gehe, merke ich, dass es nicht nur die Sonne ist. Ich bin auch nach Gutem durstig. Mir fehlen gute Worte und Gedanken. Über dem Ende des vergangenen Jahres liegt, wie über dem Beginn des neuen, ein schwerer und dumpfer Schleier: so viele schlimme Nachrichten; so viel Bosheit. Dabei gehöre ich zu denen, die nicht persönlich betroffen sind. Doch gehen mir die Meldungen über Anschläge und Gewalttaten an die Nieren. Ich denke an die Menschen, die jemanden verloren haben, deren Leben von einem Moment auf den anderen aus den Fugen gerissen wurde.

Ich wünsche mir Gutes. Ich wünsche mir Gutes, aber gleichzeitig meldet sich mein Gewissen: Will ich nur vergessen? Mich in mein ruhiges, sicheres Leben zurückziehen und das Leid anderer aussperren?

Wie gut, dass ich alles Gott klagen kann. Bei Gott kann ich Trauer, Sorgen und Leid lassen. Mir sind sie zu schwer und zu groß. Ich lasse sie los und sie sind dann bei Gott. Das heißt: sie sind nicht weg. Trauer, Sorgen und Leid sind weder vergessen noch verdrängt. Meine Anteilnahme, mein Mitleid, meine Klage – sie sind bei meinem Gott. Andenken, Würde und Erinnerung bleiben lebendig.

Das Gute, nach dem ich durstig bin, ist nicht nur für mich. Ich wünsche es mir für meine Nachbarn, für unseren Ort, für unsere Region, unser Land und die Welt.

So wie ich meine Klagen vor Gott bringe, halte ich Gott meinen Durst hin: Gib uns Gutes. Schütze Menschen, die Gutes in unsere Leben bringen. Segne die, die Frieden schaffen. Behüte die, die Wohlstand schöpfen.

In der Bibel sagt Jesus: „Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken.“ Erquicken ist ein altes Wort, das im Alltag nicht mehr vorkommt. Es heißt so viel wie erfrischen oder beleben. Die Wirkung ist nicht dauerhaft. Die Erquickung wird Mühsal und Last nicht abschaffen. Sie gibt neue Kraft und frischen Mut. Erquickte Menschen können wieder zupacken. Sie haben wieder Zukunft und Hoffnung.

Das Leuchten der Wintersonne belebt mich. Klare Luft und helle Strahlen helfen aus trüben Gedanken. Ich wünsch‘ uns Sonne ins Gesicht und frisch belebten Mut.

Pfarrer Manfred Kiel (Schönhausen)